Wallfahrt

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Entwicklung der Wallfahrt

Der Ursprung des bedeutendsten Wallfahrtsorte im Abendland beruht auf Jakobus d.Ä. Nach biblischem Bericht ließ ihn Herodes in Palästina enthaupten (Apg 12,1f). Eine Legende lässt seinen Leichnam von einem Engel geleitet in einem Boot nach Padron an die Nordwestecke Spaniens bringen. Anfang des 9.Jh. soll der Eremit Pelagius von seltsamen Träumen über das [[Grabmal]9 heimgesucht werden. Ein Sternenregen soll ein ihn das Grab des Apostels mit seinen Gefährten gezeigt haben. So erhielt der Fundort den Namen „Campus stellae“, Sternenfeld. Die Nachricht von der wunderbaren Ent­deckung verbreitete sich rasch über ganz Europa, so dass noch im 9.Jh. die ersten Pilger nördlich der Pyrenäen nach SdC pilgerten. König Alfonso II ließ auf dem Sternenfeld eine Kirche errichten. Sie wurde 899 geweiht. Als Bischof Godeschalk aus dem französischen Le Puy im Jahre 950 mit seinem Gefolge von fast 100 Personen zum Grab des Jakobus pilgerte, löste er damit den unaufhaltsamen Anstieg der Wallfahrt nach SdC aus. Eine erste Hochblüte erlebte sie im 11. und 12.Jh. mit bis zu 300.000 Pilger im Jahr. Eine zweite Hochblüte folgte im 15. und 16.Jh. Der [[Codex Callixtinus] ist ein mysteriöse Sammel­surium von Geschichten und Mythen um den hl. Jakobus, der in fünf Büchern erstellt Papst Calixtus II (1119-1124) zugeschrieben wurde. Sein Name sollte den Büchern nur eine höhere Autorität und Glaub­würdigkeit verleihen. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass es Mitte des 12.Jh. im Kloster Cluny entstanden ist. Der Verfasser wird heute als Aimeric Picaud benannt. Das erste Buch ist eine große Messe für Chöre und Solisten, die von der Pilgergemeinde gesungen wurde. Das zweite Buch beschreibt die 22 Wundertaten des hl. Jakobus. Das dritte Buch erzählt die Überführung der Gebeine des Heiligen von Jerusalem nach Galizien. Das vierte Buch enthält die Sage des legendären Erzbischof Turpin, der jedoch niemals wirklich existiert hat. Die Turpin-Sage gilt als Grundlage für die Legende, dass Karl der Große der erste Pilger zum Schrein des hl. Jakobus gewesen sei. Das fünfte Buch schließlich, das Liber Sancti Jacobi enthält Angaben, die ein Jakobus-Pilger im 12.Jh. brauchte. Er stellt den Pilgerführer von Frankreich nach SdC dar und förderte die Jakobuswallfahrt enorm. Dabei stellte er Tours (Martin), Vézelay (Maria Magdalena), Le Puy (Maria) und Arles (Trophimus) als Ausgangspunkt der Wallfahrt dar. Sie sind es oft bis in die heutige Literatur geblieben. Mit der Zeit entstand ein regelrechtes Netz von Pilgerstraßen, die sich bis nach Skandinavien und Osteuropa ausbreiteten, auf denen die Jakobsbrüder nach SdC pilgerten. Dabei orientierten sie sich an den damals hoch im Kurs stehenden anderen Wallfahrt­sorten. Köln (Heilige Drei Könige), Aachen (Karl d.G.), Trier (Gewand Jesu, Apostel Matthias) und Einsiedeln (Meinrad) entwickelten sich genauso zu Sammel­punkten der Pilger, wie bei den o.g. Den ma. Pilgern war es wichtig, auf ihrem Weg nach SdC möglichst viele und möglichst bedeutsame Wallfahrtsorte zu besuchen. Dadurch führen die Pilgerwege oft im Zickzackkurs durch das Land. Die Reformation führte zu einem Niedergang der Wallfahrt. Die Frz.Rev. setzte ihr ein Ende. Ab dem 20.Jh. erlebt die Wallfahrt an das Apostel­grab eine wahre Wiedergeburt. In den Heiligen Jahren 1993 und 1999 waren mehrere Millionen Pilger nach SdC gekommen, 1993 auch Papst Johannes-Paul II. Er kam als erster Papst nach SdC. Zum Gedenken daran wurde auf dem Monto Gozo (Berg der Freude, da von ihm aus erstmals die Türme der Kathedrale von SdC zu sehen sind) ein Denkmal an das historische Ereignis errichtet. Noch heute pilgern die Jakobsbrüder zu Fuß, das Gepäck auf den eigenen Schultern oder einem Lasttier (Pferd oder Esel), in den fernen Westen. Wer heute auf seinem Drahtesel diese Fernwallfahrt unternimmt gilt auch als Jakobspilger. Wie im Mittelalter haben die Pilger auch heute einen Pilgerpass, einem Empfehlungsschreiben des MA ähnlich, das ihnen die Aufnahme in ein Refugio zur Übernachtung berechtigt. Diese Pilgerunterkünfte gibt es entlang der Pilgerwege in Frankreich und vor allem in Spanien. Die Bedeutung des Pilgerweges für Europa war für die UNESCO 1986 Grund, diese Kulturstraße zum Weltkulturgut zu erklären. Ausschlaggebend waren auch die großartigen Bauwerke entlang der Routen, ebenso wie die reizvollen Landstriche, die sie durchqueren.

Siehe auch: Wallfahrt im Mittelalter