Vézelay

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Land: Frankreich
Region: Burgund
Département: Yonne
Koordinaten: 47.4663 N 3.7476 E
Höhe (m ü. NN): 170-339 m
Fläche (in km2): 21,83km²
Einwohner: 400
Postleitzahl: 89450
Wikipedia (DE): Vèzelay (DE)
Wikipedia: Vézelay
Website des Ortes: Ort Vézelay
(ohne "Datei:")


Geschichte

ereits 858 oder 859 wurde von Girard von Roussillon, dem Regenten der Provence, auf dem benachbarten Hügel ein Nonnenkloster gegründet. Er wollte damit die im Regnum Karls des Kahlen gelegenen Güter vor Konfiskation schützen. Das den Apostelfürsten Peter und Paul geweihte Kloster war dem Schutz des Papstes unterstellt. Es war mit Privilegien von Königen und Päpsten ausgestattet und wurde 873 von Normannen vernichtet.
Der aus St-Martin d´Autun stammende Abt Odo (Eudes) ließ auf der benachbarten Höhe ein neues Kloster mit starken Mauern errichten. Dieses wurde durch einen Brand zwischen 907 und 926 vernichtet.
1058 nahm das neuerrichtete Kloster die Reform von Cluny an. Einige Äbte kamen aus Cluny, doch der 1161 gewählte Abt Wilhelm von Mello stellte eine Selbständigkeit des Klosters von Cluny wieder her. Papst Innozenz II. residierte hier 1131 während des Schismas.
1104 wurde Abt Artaldus in einem Aufstand der Bürger erschlagen, weil er sie zur kostenlosen Beherbergung der Pilger zwingen wollte. Noch bis ins 13. Jh. gab es immer wieder Streit und Kampf, weil sich das Kloster so stark für die Pilger eingesetzt haben, was die Bürger nicht zu tragen bereit waren. 1137 erreichten sie eine Verringerung ihrer Abgaben. Als 1166 der König im Streit zwischen Volk und Kloster intervenierte, zogen die Mönche in einer Prozession nach Paris. Vor 1058 kamen (-> Legenden) die Reliquien der Maria-Magdalena nach Vézelay und machten es zu einem bedeutenden Pilgerzentrum und Ausgangspunkt einer der 4 Hauptwege der Wallfahrt nach SdC. Die Wallfahrt brachte dem Kloster Wohlstand. Ludwig der Heilige zog 1244 und 1267 als Pilger nach Vézelay.
Da die karol. Basilika für die Pilgermassen zu klein geworden war, beschloß Abt Arnaud 1096 sie durch eine größere zu ersetzen. Bereits 1104 konnte der Chor und das Querhaus eingeweiht werden. Dem Hauptschiff wurden Seitenschiffe von 2/3 der Gesamthöhe beigesetzt. Dies ermöglicht eine direkte Beleuchtung des Hauptschiffes durch große Oberfenster. 1106 wurde Abt Arnaud bei einem Volksaufstand ermordet und die Bautätigkeit kam zum Erliegen. Ein Teil der alten Basilika stand noch, als am 21.Juli 1120, dem Vorabend des Festes der hl. Maria Magdalena, in der Abteikirche Feuer ausbrach. Die Zahl der Todesopfer sollen mehr als 1.000 gewesen sein, darunter hunderte von Pilgern. 1140-1150 wurde die fast fertige Kirche durch ein Vorschiff verlängert. Der Narthex wurde unmittelbar nach Fertigstellung des Schiffes (um 1145) errichtet. Gegen 1160 war die Kirche so gut wie fertiggestellt. Wilhem von Mello ließ 1185 an der Stelle des rom. Chors und Querschiffs, "die wohl zu bescheidene Ausmaße hatten", einen neuen Chor und ein neues Querschiff im Stil der frühen Gotik erbauen. Die hohen Baukosten führten zur katastrphalen Verschuldung des Klosters, die 1207 zur Absetzung des Abtes Hugo führten. 1215 war dann der ganze Bau abgeschlossen. Die im lateinischen Kreuz gehaltene Abteikirche wurde somit 120 m lang. Hiervon entfallen 3 Joche auf den Narthex, 10 Joche auf das Schiff, 3 Joche auf die Vierung, gefolgt vom Chorraum. So entstand einer der größten Klosterkirchen Frankreichs mit ihren zahlreichen berühmten rom. Kapitellen.
Das Kloster wurde unter die Oberhoheit des Papstes gestellt und den Völkeraposteln Petrus und Paulus, sowie Maria, der Mutter Jesu geweiht. Auch wurde es den Benediktinern von Autun anvertraut, das es bald überflügelte. Die unaufhaltsam sich steigernde, glühende Verehrung der Maria Magdalena machte Vézelay rasch zu einem der bekanntesten und größtem Wallfahrtsort der Christenheit. Nur der Neid der Nachbarn, dem Bischof von Autun und dem Fürst von Nevers, wie auch die eigene Bevölkerung von Bürger und Bauern hemmten diesen Aufschwung und störten den benedikt. Frieden durch Brände, Angriffe, Ermordung des Abtes und Entweihung der Reliquien.
Hier rief 1146 Bernhard von Clairvaux zum 2. Kreuzzug auf. Vor dem 3. Kreuzzug trafen sich hier die Könige Philipp von Frankreich und Richard Löwenherz von England. Der hl. Ludwig kam 3 Jahre vor seinem Tod als Kreuzfahrer nach Vézelay, um die Reliquien der hl. Maria Magdalena zu verehren. Auch der 6. und 7. Kreuzzug nahm in Vézelay seinen Ausgang. Franz von Assisi gründete 1212 hier sein 1. frz. Minoritenkloster. Von hier aus klagte Thomas Becket seinen von Rom abgefallenen König Heinrich VIII. an.
Seit dem 12. Jh. stritt Vézelay mit St-Maximin bei Aix darum, wer von ihnen die echte Reliquie der hl. Maria Magdalena besitze. 1260 verstärkten sich die Zweifel, ob in Vezelay die Gebeine der hl. Maria Magdalena lägen. 1279 ordnete Karl von Salerno die Öffnung des Sarkophags in St-Maximin an. Es wurde darin ein Leichnam gefunden, von dem erklärt wurde, es seien die Reliquien der Maria Magdalena. 1295 bestätigte Papst Bonifatius VIII. die Echtheit der Reliquien von St-Maximin. Das war der Beginn des Niedergangs für Vézelay.
Im 15. Jh. wurde das Kloster säkularisiert und von den Hugenotten geplündert. 1537 zogen die letzten Mönche weg und 15 Chorherren nahmen ihren Platz ein. Das herrliche Bauwerk verkam mit der Zeit. Was Romain Rolland die Kanzel Frankreichs nannte, verfiel. Die Frz.Rev trug das ihrige zum weiteren Verfall des Klosters und der Kirche bei. Schließlich zerschlug ein Blitz 1819 den Glockenturm. Wäre Prosper Mérimée nicht gewesen, der sich 1840-1859 für die Instandsetzung und Sicherung das Bauwerks eingesetzt hat, es stünde heute wohl nur eine verfallene Ruine. Sie ist heute Weltkulturerbe der UNESCO.

Kirchen

Klosterkirche Ste-Magdaleine

Ste-Magdaleine wurde 1096 begonnen.

Das große Strebewerk entlang des Kirchenschiffes passt überhaupt nicht zu einer rom. Kirche. Es wurde bei der Sicherung der Kirche Mitte des 19. Jh. hinzugefügt, denn dass Schiff drohte einzustürzen.

Das Tympanon über der kleinen Pforte des 5.Jochs ist modern. Es zeigt Christus zwischen seiner Mutter Maria und Maria Magdalena.
An der Außenmauer des 8.Jochs lehnt das ehem. Tympanon der Außenfassade, das während der Frz.Rev zerschlagen wurde.
Der Narthex ist 3 Joche lang (über 23% der Länge des Kirchenschiffes) und hat wie das Schiff die volle Breite. Damit macht er einen eigenen gewaltigen Kirchenraum aus. Gegenüber den rom. Rundbögen des Kirchenschiffes sind im Narthex Spitzbögengewölbe zu sehen. Sie zählen zu den ältesten gothischen Gewölben. Die Tribüne im Narthex barg – wie so üblich - eine dem Erzengel Michael als den Schutzherrn der Höhen geweihte Kapelle.

Das Tympanon (1125-1130) gilt zusammen mit den Kapitellen der 20 Säulen des Langhauses als eine der höchsten Leistungen rom. Bildkunst. Im Tympanon ist Pfingsten dargestellt. Von den Händen des auferstandenen Christus strömt der Heilige Geist aus und bewegt die Apostel, allen Völkern die Frohe Botschaft zu verkünden, auch noch unbekannten Völkern, wie sie in den Rahmenfeldern in den seltsamen Wesen dargestellt werden. Von ihnen sagt Kenneth Clark: "Experimente des Schöpfers, bevor er auf die endgültige Lösung kam, die als Mensch bekannt ist, Gestalten, deren Vorbilder dem MA in einer spätantiken Handschrift überliefert worden sind."

In der Archivolte sind zwischen die 12 Tierkreiszeichen Reliefs eingesetzt, die die jeweilige Jahreszeit und die damit verbundenen Tätigkeiten darstellen. Dem Frühling, als nackter Tänzer, folgen Zwillinge, die Heuernte, Krebs, ein Kranich, als Zeichen der Sommersonnwende, ein sich zusammenrollender Hund, ein Akrobat mit Sirene, Löwe, die Getreideernte, Jungfrau, das Getreide wird gedroschen, das Korn wird in einen Kasten geschüttet, Waage, die Weinlese, Skorpion, das Schwein wird geschlachtet, Schütze, ein Mann trägt eine alte Frau (Symbol für das zu Ende gehende Jahr), Steinbock, der Abschluß bildet die Feier mit einem Kelch Wein.
Gleichmaß, Rhythmus und Helligkeit sind die drei dominierenden Begriffe des Schiffes. Gleichmaß ist in den Proportionen wie auch in der Struktur zu finden. Das Schiff ist 64 m lang, 12 m breit und 18 m hoch. Der Schlußstein des Gewölbes hat immer noch eine Dicke von 45 cm. Bei solchen Dimensionen treten gewaltige Kräfte auf. Um solche riesige Ausmaße in der Romanik zu errichten, ließen sich die Baumeister von Vézelay einige Besonderheiten einfallen. So zeigen die Mauern eine Schräglage von 55 cm zur Stabilisierung des Gleichgewichtes auf. Alleine darin wird deutlich, wie sehr die Bauleute beim Bau dieser Abtei- und Wallfahrtskirche an die äußersten Grenzen des Machbaren gegangen sind.

Die Beleuchtung des Schiffes durch das obere Drittel des Schiffes weist eine Besonderheit auf: Zur Zeit der Sommersonnwende treffen die Sonnenstrahlen Mittags genau auf den Mittelgang des Mittelschiffes. Dadurch entsteht ein Lichterband, das durch den Lauf der Sonne vom Westen, dem Ort der Finsternis, nach Osten wandert, hin zu Licht des Auferstandenen. Wie Joh. der Täufer, so zeigt diese Kirche durch ihre ausgeklügelte Architektur dem Pilger und Besucher der Kirche den Weg zu Christus und nimmt ihn gleichsam mit.

Vom Querhaus aus kann auch zur Krypta hinuntergestiegen werden. Wegen ihres Alters ist sie der verehrungswürdigste Teil der Kirche. Sie wurde im 9. Jh. errichtet. Urspr. hatte sie ein Tonnengewölbe, das durch Holzbalken gestüzt war. Nach dem Brand im Jahre 1165 erhielt sie ihr heutiges Kreuzgewölbe. Hinter einer durch ein Gitter abgeschirmten Confessio ist der Reliquienschrein der hl. Maria Magdalena. Sie war der Magnet, der die Pilger nach Vézelay zog, denn wie Maria Magdalena suchten sie die Vergebung und eine größere Liebe.

Das Hauptschiff von St-Madeleine zeigt den Übergang von der Romanik zur Gotik. Es ist 62 Meter lang und besteht aus 10 Jochen mit Kreuzbögen und Halbkreisbögen. Von der maurischen Archetektur angerert ist der Farbenwechsel der Säulen und Halbbögen. Die Kapitellen der Säulen stellen eine künstlerische Steigerung gegenüber denen der Vorhalle dar.

Von einem Altar im südl. Querraum wird angenommen, dass es der urspr. Sarkophag der hl. Maria Magdalena gewesen sein könnte.

Wir können heute nur mutmaßen, was die Pilger des MA so sehr nach Vézelay zog. Einige Möglichkeiten sollen hier genannt sein. Vielleicht war es auch ein Konklumerat aus diesem:

  1. Maria Magdalena, die reuige Sünderin, wurde viel verziehen, weil sie viel geliebt hatte. - Die Pilger erhofften Vergebung für ihre Sünden. Wenn Gott Maria Magdalena die vielen Sünden vergeben hat, dann kann er doch auch die Sünden der Pilger vergeben.
  2. Maria Magdalena war die 1.Zeugin der Auferstehung Jesu. Sie wurde daher auch als die Apostelin der Apostel bezeichnet. - Die Pilger wollen damit zur Quelle des Auferstehungsglaubens.

Auf die zahlreichen herrlichen Darstellungen der Kapitelle im Narthex und Kirchenschiff kann hier nicht näher eingegangen werden. Es empfiehlt sich daher, hierzu einen Kirchenführer zu kaufen. Das Geld ist wirklich gut angelegt.

Kapelle

Am nordöstlichen Fuße des Hügels steht die kleine Kapelle, in der Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) im Jahre 1146 zum 2. Kreuzzug aufgerufen hat.

  • Im Jahre 1190 trafen sich dort der frz. König Philipp II. (1165/1180-1223) und dem engl. König Richard Löwenherz (1157/1189-1189) zu Beginn des 3. Kreuzzugs.
  • Im Jahe 1166 sprach dort Thomas Becket (1118/1162-1170), als Erzbischof von Canterbury ins Exil vertrieben, über seinen König Heinrich II. (1133/1154-1189) den Bannfluch aus.

Sehenswürdigkeiten

Sonstige Infos

Heilige

1037 sollen die Mönche von Vezelay die Reliquien der hl. Maria Magdalena gefunden haben.
Im 11. Jh. wurde aus Furcht vor den Einfällen der Sarazenen aus Saintes-Maries-de-la-Mer in der Provence die Reliquien der hl. Maria-Magdalena gebracht.
Im 11. Jh. seien die Reliquien der Maria Magdalena aus St-Maximin in der Provence in die Kirche überführt worden.
Das Kloster von Vezelay rückte im 11. Jh. durch die Translation der angeblichen Reliquien Maria Magdalenas von Jerusalem nach Südfrankreich, wo sie dann einem Benediktinermönch von Vezelay übergeben wurden, in das Licht der Öffentlichkeit. Schnell wurde der kleine Ort zum Wallfahrtszentrum und ersten Sammelstelle frz., deutscher und anderer Pilger auf ihrem langen Weg nach SdC.

Legenden

Pilger

LSJ: Auf dem Jakobusweg, der über St-Léonard führt, müssen Pilger zunächst die ehrwürdigen Reliquien der hl. Maria Magdalena verehren. Sie ist die glorreiche Maria, die im Hause des aussätzigen Simon die Füße des Erlösers mit Tränen benetzte, diese mit ihren Haaren trocknete und sie mit einem kostbaren Balsam einrieb und küsste. Ihr wurden zahlreiche Sünden vergeben, weil sie Jesus Christus, ihren Retter, der alle Menschen liebt, so sehr liebte. Nach der Himmelfahrt des Herrn verließ sie die Jerusalemer Gegend mit dem hl. Maximinus und weiteren Jüngern des Herrn. Sie gelangte auf dem Seeweg über den Hafen Marseille in die Provence. Dort lebte sie einige Jahre lang in Abgeschiedenheit. Später wurde sie dann in Aix von dem inzwischen dort Bischof gewordenen Maximinus beigesetzt. Ein edler Streiter des mönchischen Lebens namens Badilo übertrug jedoch viele Jahres später ihre kostbaren Gebeine nach Vézelay, wo sie bis zum heutigen Tag in einem ehrenhaften Grab ruhen. An diesem Ort errichtete man eine große und schöne Basilika sowie eine Mönchsabtei. Sündern werden dort durch die Liebe dieser hl. ihre Missetaten von Gott vergeben, Blinden wird das Augenlicht geschenkt, Stumme die Zunge gelöst, Lahme werden aufgerichtet, Besessene befreit und viele unauslöschliche Wohltaten gewährt.

Sing: Ist es nun verwunderlich oder nicht, dass gerade eine Sünderin wie Maria Magdalena so zum Magnet einer Massenwallfahrt wurde? Ich meine, es ist nicht nur nicht verwunderlich, sondern sehr verständlich. Ihre Sünden waren verständlich, ihre Reue und Liebe zu Christus ebenso. Und Christus verzieh gerade ihr, der großen Sünderin mit besonderem Nachdruck. Waren nicht auch viele der Pilger Sünder, die durch ihre Wallfahrt Vergebung erhofften?
Für die Magdalenen-Kirche verstehen sich die Verse, die Abt Suger 1140 in den Stein an der Pforte der Abtei von St-Denis meißeln ließ, von selbst: "Der blinde Geist steigt auf zur Wahrheit / durch Vermittlung dessen, was stofflich ist, / sieht er das Licht, / steht er aus seiner frühen Versenkung auf."

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Quellen und weitere Infos

Anmerkungen

Einzelnachweise

Literatur

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