Rocamadour

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Land: Frankreich
Region: Midi-Pyrénées
Département: Lot
Koordinaten: 44.7994 N 1.6176 E
Höhe (m ü. NN): 110-364 m
Fläche (in km2): 49,42 km²
Einwohner: 600
Postleitzahl: 46500
Wikipedia (DE): Rocamadour (DE)
Wikipedia: Rocamadour
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Geschichte

Der Ortsname leitet sich vom okzitanischen roc amator (der Felsliebende) ab. Malereien in der Grotte des Merveilles (Wunderhöhle) zeigen, dass Rocamadour bereits im Jungpaläolithikum besiedelt war. In vorchr. Zeit wurde hier die Fruchtbarkeitsgöttin Cybelle verehrt, wie so häufig auf Berggipfeln.

Wie ein Schwalbennest wurden die Häuser in die 120 m hohe Steilwand der hohen Klamm gebaut. Der Ort besteht nur aus einer einzigen Häuserzeile und 4 befestigten Toren. Von ihr aus führt die Treppe Grand Escalier, die Via Sancta der Pilger, in 216 Stufen zur Cite religieuse. Im MA beteten die Pilger kniend die Treppe hoch, auf jeder Stufe ein Ave Maria. Um den Hals hatten sie kleine Ketten gelegt (Gefangene der Sünde), die ihnen nach der Beichte abgenommen wurden. Als Pilgerzeichen kauften sie sich ein sigillum Beatae Mariae, Maria mit Kind, das die einheimischen Betriebe aus Blei, Zinn, Kupfer, Silber und Gold gefertigt hatten. Heute verschaffen sich Pilger mit unterlegten Kissen hierbei eine Erleichterung.

1166 wurde unter der Marienkapelle ein unverwester Leichnam gefunden, der mit einem legendären Erimiten Amadour in Verbindung gebracht wurde. Durch viele Wunder wurde der kleine Ort einer der beliebtesten Wallfahrtorte der Jakobspilger, für die 4 Herbergen und ein Hospiz errichtet wurden. Die Herkunft des Amadour-Kultes ist unbekannt. Er wurde schon mit versch. Heiligen in Verbindung gebracht. So soll er ein ägyptischer Eremit gewesen sein. Sicher hingegen scheint, dass sein Name durch die Abwandlung der lateinischen Bezeichnung roc amator entstanden ist.

1172 ließ Abt Geraud das berühmte Mirakelbuch mit den Wundern der Schwarzen Madonna schreiben. Es enthält die seit 1140 erfolgten Wunder von R. Das Buch löste ein regelrechtes Wallfahrtsfieber aus, sodass es bald mit Jerusalem, Rom und Santiago konkurrieren konnte.

Über eine got. Brücke und die Große Treppe mit 194 Stufen ist das am Bach gelegene Rathaus (15. Jh.) mit dem Wallfahrtsbezirk mit seinen 7 Kirchen und Bischofspalast verbunden. Auf halber Höhe der großen Treppe ist eine Tafel angebracht, die den Besucher daran erinnert, dass R. die älteste Pilgerstätte Frankreichs sei und im MA zusammen mit Rom, Jerusalem und zu den 4 größten Wallfahrtszentren der Welt gehörte. Die Tafel enthält auch eine Liste berühmter R.-Pilger, u.a. der hl. Ludwig, Ludwig IX., Philipp III., Philipp der Schöne, Karl VII., Ludwig XI., König Johann von Böhmen und der hl. Bernhard. Weitere waren der hl. Dominikus, Benediktus, Antonius von Padua und Ramon Llull.

Gleichsam ein Himmlisches Jerusalem wurde in der 72x36 m Felsenterrasse mit einem Kranz von Kapellen geschaffen: St-Sauveur (13. Jh., seit 1913 Basilika), die zumeist in Fels geschlagene Michaelskapelle mit schönen Malereien (12. Jh.), Joh. d.T. (19. Jh.), Blasiuskapelle mit ihrem rom. und got. Gewölbe, die Annakapelle (19. Jh.) und die Amadour-Krypta (12. Jh.) und die Gnadenkapelle Notre Dame, auch Chapelle Miraculeuse genannt. Die Kirchen besitzen konservierte spätrom. Fresken (14. Jh.). Über den Kreuzweg ist das Schloss (14. Jh.) zu erreichen. Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick über das Tal.

Durch die großen Pilgerströme wurde der kleine Ort reich, was zum Neid und Kämpfen um den Besitz der Kirche zwischen den Abteien von Marcilhac und Tulle führte und mit dem Sieg Tulles endete. Im engl.-frz. Krieg wurde das Heiligtum mehrmals zerstört. Seit dem 15. Jh. wurde hier auch der Zöllner Zachäus verehrt. In den Religionskriegen fiel es in die Hand des protestantischen Hauptmanns Bessonies, der vergeblich versuchte, den Leichnam zu Verbrennen und ihn dann schließlich mit einem Hammer zertrümmerte. Nur die Schwarze Madonna und die wundertätige Glocke blieben erhalten.

Das Musée d´Art Sacré (Museum für sakrale Kunst) ist dem frz. Komponisten und Pianisten Francis Poulenc gewidmet, der 1936 bei einem Besich von R. die Litanies à la Vierge Noire de R. komponierte.

Jährlich besuchen über 1 Mill. Pilger diesen Wallfahrtsort. Sie kommen auch um zu wandern und gut zu essen.

Kirchen

Basilika St-Sauveur

St-Sauveur (12. Jh.) wurde als Basilika auf den Mauern der alten Kapelle errichtet, die heute die Krypta ist.
Saint-Amadour(Krypta von St-Sauveur) birgt die Gebeine des hl. Amadour.

St-Jean-Baptiste St-Blaise St-Anne

ND de R.

ND de R., auch Chapelle Miraculeuse (Wunderkapelle) genannt, ist mit der Schwarzen Madonna (12. Jh.) spiritueller Mittelpunkt. Die 69 cm hohe Madonna aus Nussbaumholz war mit Silberlamellen überzogen, die durch Oxidation und Kerzenrauch schwarz wurde. Ihr Ruhm wuchs so an, dass sie sogar Tochtergründungen hatte, so z.B. in Estella, Sevilla, Lissabon und sogar auf Sizilien. An den Hauptfesttagen kamen bis zu 30.000 Pilger in das kleine R. Es war vom 12.-14. Jh. einer der meistbesuchtesten Marienwallfahrtsorte Frankreichs. Das Mirakelbuch (12. Jh.) belegt Pilger aus Spanien, England, Italien, Belgien, Deutschland und Palästina. Im 14. Jh. war die Wallfahrt nach R. so populär, dass Betrüger beachtliche Summen für ihre angebliche Wallfahrt sammeln konnten, die nie durchgeführt wurde. Von R. aus wurden auch Hospize in Spanien am Jakobusweg errichtet, so in Estella, Burgos und Astorga. An den vielen Kirchen Spaniens und Portugals, die Santa Maria de R. heißen, kann man ablesen, wie weit sich neben diesen Hospizgründungen der Wallfahrtsort besonders auf der Iberischen Halbinsel einen Namen gemacht hat. 1212 siegte König Alfons III bei Toledo mit der Fahne der Jungfrau von R..

Im Gewölbe hängt eine wundertätige, schmiedeeiserne Glocke (9. Jh.), die selbst zu läuten beginnt, wenn ein in Seenot Geratener die Jungfrau von R. mit Erfolg anrief. Modelle von Schiffen als Exvoto belegen derartige Dankwallfahrten. Jungfrau von R. war auch Patronin der Gefangenen, die ihre Fesseln auf einer Sühnewallfahrt darbrachten. Epidemien und der Beginn des 100-Jährigen Krieges beeinträchtigte die Wallfahrt beträchtlich. 1853 wurde sie zum Beginn der Wiederbelebung der Wallfahrt gekrönt.

St-Michel

St-Michel steht auf einer Terrasse.

Kreuzweg

Kreuzweg führt über Serpentinen bis zur letzten Station, der Grablegung. Sie befindet sich in einer offenen Grotte.

Sehenswürdigkeiten

Sonstige Infos

Grand Pardon

Seit 1428 findet das Grand Pardon statt, Feierlichkeiten mit besondern Ablässen. Es wird immer dann gefeiert, wenn der 24.6. (Joh. d.T.) mit dem Fronleichnamsfest zusammenfällt. 1546 waren hierzu 20.000 Pilger anwesend. 1666 etwa 15.000, 1735 blieb es ohne Beachtung, das Fest von 1886 wurde 1899 nachgefeiert, der Zweite Weltkrieg erlaubte 1943 nur eine regional beschränkte Wallfahrt. Der nächste Grand Pardon ist im Jahre 2083.

Heilige

Legenden

Die hl. Veronika, der Zöllner Zachäus und der hl. Martial aus dem Hl. Land bis nach R. gekommen sein und den Ort gegründet haben.

Einer Legende nach soll Zachäus, der Mann der hl. Veronika, gewesen sein. Nach dem Tode Veronikas soll er sich nach R. zurückgezogen haben

Der hl. Amadour soll im 4. Jh. in R. die Marienverehrung eingeführt haben.

Die Gründung des Ortes soll auf den Einsiedler Amadour zurückgehen. Er soll in den Schluchten des Alzou eine Kapelle erbaut haben. Damit war der Anfang der Wallfahrt gesetzt.

Vom Vorplatz der Kapellen, dem Parvis Notre Dame, ist ein „Schwert“ in der Felswand stecken sehen. Roland soll Durandal vor seinem Tod in Roncesvalles (778) bis in den diesen Felsen geschleudert haben. Aus dieser Legende entstand 1170 der chanson de geste.

Pilger

Zitat

Die Geschichte mit Saint-Amadour ist eine Sache, die in Frankreichs Legenden eine große Rolle spielt. Aber im Grunde hat sie nicht viel mit R. zu tun. Stets hat sich die Pilgerschaft um die Statue der hl. Muttergottes entwickelt – der schwarzen Muttergottes. Weil man den Leichnam von St-Amadour gefunden hat und weil er intakt war, hat man ihn als Reliquie verehrt. (Konradsblatt 33/2003, 23)

Logistik

Refugios

Campingplätze

Supermärkte

Quellen und weitere Infos

Anmerkungen

Einzelnachweise

Literatur

Links