Medien 2013

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Zeitungsartikel

Badische Zeitung 30.3.13

Santiago, wir kommen!

SantiagoWiki führt mit GPS zum Grab des Heiligen Jakob / Von Niklas Arnegger.

Ab und zu sind noch Menschen anzutreffen, die noch nicht nach Santiago de Compostela gepilgert sind. Aber selten. Das sind Außenseiter. Eilig entschuldigen die sich dann und versprechen hoch und vor allem heilig, sich demnächst auf den Weg zum Grab des Heiligen Jakob machen zu wollen. Blog und der Diavortrag anschließend im Pfarrgemeindesaal seien fest eingeplant. Ultreia, Vorwärts!

Kaum mehr ist es möglich, zum Beispiel im Schwarzwald zu wandern, ohne an entlegenen Stellen Schilder mit der Muschel vorzufinden, die an bedauernswerte Bäume genagelt sind. Darunter steht dann: Jakobsweg. Längst vorbei auch die Zeit, da ein hartgesottener Mensch wie Luis Buñuel sich mit seinem wenig heiligen Film "Die Milchstraße" Kirche und sonstige Obrigkeiten zur Brust genommen hat. Nein, spirituell muss es sein. Die wenigsten wissen zwar, was das ist. Nicht direkt richtig religiös, das wäre nicht schick, aber halt irgendwie jenseitsmäßig und ganzheitlich. Davon raunen und schwurbeln erfolgreich Leute wie Paulo Coelho und Shirley MacLaine. (Hape Kerkeling dagegen ist auf unprätentiöse Weise bloß "dann mal weg".)

Nun, Pilgern schadet nicht, beziehungsweise nützt im Gegenteil dem spanischen Tourismus. Bei dieser Sachlage verwundert es nur mäßig, dass jetzt im Internet eine mehrsprachige Seite SantiagoWiki eingerichtet wurde ("für alle, die nach Santiago wollen"). http://www.santiagowiki.eu will helfen, die Pilgerreise "freudig durchzuführen". Und für alle, die keine Straßenkarten lesen können (das sind erfahrungsgemäß die meisten), findet sich Orientierung auch auf GPS. 200 000 Pilger sind es jährlich, die mit oder ohne GPS zu Fuß, per Fahrrad oder beritten Santiago überschwemmen, wo sie, sofern der Pilgerpass viele schöne Stempel enthält, eine Urkunde bekommen. Und: Auf Lateinisch! (Meine übrigens datiert vom 31. August 2001 und bescheinigt mir, dass "Nicolaum Arnegger hoc sacritissimum Templum pietatis causa devote vitasse". Klingt nicht schlecht, was?)

http://www.badische-zeitung.de/meinung/kommentare/santiago-wir-kommen

Leserbrief von Gottfried Wiedemer

Leserbrief zu: Niklas Arneggers „Santiago, wir kommen!“ vom 30.3.2013 Manchmal trifft „Unterm Strich“ die folgende Glosse auch in Inhalt und Stil. Was hat Sie ausgerechnet in der Osterausgabe bewogen, über das neue Internet-Portal, aber auch über die Santiago-Begeisterung selbst dermaßen herzuziehen? Manche der von Ihnen genannten Punkte kann man kritisieren, die Massenwanderung, die esoterischen Auswüchse (Coelho, Shirley MacLaine), die zu starke Kommerzialisierung… Als Reiseleiter auf dem „Camino“ (seit 25 Jahren) und mit 2200 Pilgerkilometern in den Beinen (in Spanien, Portugal, Deutschland und Frankreich) habe ich viele ehrliche, ernsthafte Pilger kennengelernt, die mir ihren Weg zum Glauben überzeugend erzählt haben. Ich könnte Ihnen Dutzende von Beispielen dafür nennen, dass dieser Weg Menschen gewandelt hat. Warum ist davon – an Ostern - nicht ein Ton in Ihrer Glosse? Hat Ihre Wanderung Sie so enttäuscht? Ich selbst habe 2001 vier Monate vor Ihnen (und vor H.P.Kerkeling) meine erste „Compostela“ bekommen. Dass Sie sie lateinisch zitieren, soll wohl ihre mittelalterliche Überholtheit beweisen. Aber wenn Sie schon in Latein nicht mehr so firm sind, sollten Sie doch wenigstens korrekt abschreiben… Gottfried Wiedemer, Offenburg (Anschrift der Offenburger Redaktion bekannt) (Leserbrief von Gottfried Wiedemer liegt vor)