Glossar der Wehrkirchen

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Dieses Glossar wurde übernommen von Karl Kafka: Wehrkirchen Kärntens. I. Wien 1971, Seite 13-16 und mit selbst erweitert:

  • Abfasung = Abschrägung der Kanten eines steinernen Tür- oder Fenstergewändes.
  • Apsis, Apside = Der halbkreisförmige Ostabschluss einer Kirche, der den Altarraum abschließt.
  • Arkaden = Reihen von rund- oder spitzbogig abschließenden Mauerbogen auf Säulen oder Pfeilern.
  • Armbrust = Handschusswaffe vor Einführung der Feuerwaffen aus geschäfteten Bogen und Sehne bestehend.
  • Auflagenholz, Prellholz = hölzerner Querbalken am Boden einer Schießschartennische zum Auflegen der mit einem Haken gegen den Rückstoß versehenen Hakenbüchse.
  • Ausladung = geringe Vorkragung eines Mauerteils über eine Steinleiste.
  • Balkenlöcher = viereckige Löcher in der Innenseite eines Kirchhofmauer, von der Konstruktion des Wehrganges herrührend.
  • Basilika = längsgerichtete, drei oder mehrschiffige Kirchenanlage, deren Mittelschiff eigene Fenster und ein eigens Dach aufweist. Sie ist eine Pfeiler- oder Säulenbasilika, je nach dem Pfeiler oder Säulen die Hochmauern tragen.
  • Bastion, Bastei = flankierendes Werk der Kirchhofmauer, runder, seit dem 16. Jh. meist fünfeckiger Mauerbau.
  • Blocktreppen = Treppen in Kirchtürmen und Kirchenobergeschossen, die aus dicken Treppenbäumen bestehen, auf denen mittels Holzpflöcken Stufen befestigt sind, die durch Spalten eines viereckigen Balkens in 2 dreieckige Stücke entstanden sind.
  • Bergfried = Hauptturm einer Burg
  • Brustwehr = oberer Teil der Kirchhofmauer als Scharten- oder Zinnenbrustwehr, hinter der der Wehrgang vorbeiläuft.
  • Buckelquadern = Werksteine, an der Außenseite unbearbeitet und nur von einem glatten Randschlag umgeben.
  • Chor, Chorhaupt, Presbyterium = der Bauteil der Kirche, der den Hauptaltar enthält und fast immer im Osten der Kirche gelegen ist. Der Chorabschluss kann halbkreisförmig, rechteckig (gerade) oder mehreckig sein. Der mehreckige Chorabschluss wir aus der ungeraden Seitenzahl eines regelmäßigen Vieleckes gebildet, gewöhnlich als 5/8 Schluss.
  • Dachformen der Türme
    • Pyramidendach = 6-, 8- oder mehrseitiges Spitzdach
    • Pultdach= einseitiges schräges Dach.
    • Satteldach = aus 2 schräg zulaufende Dachflächen mit einem First als Abschluss
    • Walmdach = 4 schräg zulaufende Dachflächen mit einem First als Abschluss
    • Zeltdach = wie Walmdach, jedoch mit einer Spitze als Abschluss
    • Barockhelm- aus Kuppel, Laterne, Wulst und Einziehungen bestehend.
  • Dienste = dünne Halbsäulen an Pfeilern und Wänden, die sich im Gewölbe an den Rippen fortsetzen.
  • Dreipass = dreiteilige, gotische Maßwerkform.
  • Fallgitter = vor dem Torflügel des Kirchhofeingangs angebrachter, in seitlichen Rinnen laufender, an Ketten aufziehbarer Balkenrost mit Eisenspitzen.
  • Fall, Laden = um eine Achse drehbarer Holzladen zum Verschluss von Schießscharten oder Zinnenlücken.
  • Fiale = gotischs pfeilerartiges Spitztürmchen als Begrenzung von Portalen und Bekrönung von Strebepfeilern.
  • Fischgrätenverband = Mauerwerk im Lagen von hoch- und schräggestellten Steinen.
  • Fresko, Fresken = Wandmalerei auf frischem Kalkbewurf.
  • Gaden = zu einem Bauernhof gehöriges Vorratshaus in einem Kirchhof.
  • Gewände = seitliche Steinrahmung an Fenster- und Türöffnungen.
  • Gotik = Periode der Baukunst von etwa 1300-1500.
  • Gusserker, Pechnase = auf Konsolen vorspringender Erker ohne Boden zur Verteidigung des Kirchhoftores oder des Kircheneingangs.
  • Hosenscharten- 2 oder mehrere, von einer gemeinsamen Nische in verschiedenen Richtungen ausgehende Schießscharten.
  • Hakenbüchse = Handfeuerwaffe mit einem Haken für das Auflagenholz der Schießscharte, um den Rückstoß zu verhindern.
  • Hallenkirche = Kirchenform, bei der Mittelschiff und Seitenschiffe von gleicher Höhe sind und von einem gemeinsamen Dach überdeckt werden.
  • Halsgraben = künstlicher Graben, der einen Bergvorsprung von dem übrigen Gelände trennt.
  • Holden, Grundholden = bäuerliche Bevölkerung, die gegenüber dem Grundherren zu Leistungen (Huldigungen, Zehent, Robot) verpflichtet war, auch arme Leute, später Untertanen genannt.
  • Joch = von einem Gewölbeabschnitt überdeckter Raumteil.
  • Kämpfer = Gesimse am oberen Teil der Wand am Fuße eines Mauerbogens.
  • Kapitell = Säulenkopf
  • Kasten = in Gaden oder Kirchenräumen aufgestellte truhenartige Behälter zur Aufbewahrung des Saatgutes.
  • Klemmbalken = Sperrbalken am Kirchhoftor oder dem Kircheingang, der in seitliche Maueraussparungen eingelegt wurde.
  • Kordonsims = wulstartiges Gesims als oberer Abschluss einer geböschten Mauer.
  • Krabben = blumenartige, steinerne Verzierungen an Giebeln und anderen Schrägstellen gotischer Bauwerke.
  • Kragsteine = steinerne Konsolen als Träger von Aufbauten, z.B. Erker.
  • Kreuzblume = steinerner Blätterknauf auf der Spitze von Türmen, Giebeln und Fialen gotischer Kirchen.
  • Kreuzgewölbe = Gewölbe, bei dem sich 2 Gewölbetonnen einander durchdringen.
  • Kreuzrippengewölbe = die einander kreuzförmig sich durchdringenden Gewölbe werden in den Schnittlinien von Rippen (Gurten) getragen.
  • Krypta = romanische Unterkirche, gewöhnlich unter dem Chor.
  • Kuppel = Gewölbe in Form einer Halbkugel; in der in der halbkreisförmigen Apsis als Viertelkuppel bezeichnet.
  • Langhaus, Schiff = der für die Laien bestimmte Bauteil der Kirche im Gegensatz zum Chor. Durch Pfeiler oder Säulen kann dieser Raum in 2 oder mehrere Schiffe geteilt werden.
  • Leibung = seitliche Wandschräge einer Torumrahmung.
  • Lisenen = flach vor die Wand tretende, senkrechte Mauerstreifen ohne Basis und Kapitell zur Gliederung der Mauerwände.
  • Maßwerk = aus geometrischen Figuren gebildetes, steinernes Bauornament im Spitzbogen der Fenster und Brüstungen.
  • Maschikuli = Kranz von Gusslöchern, gebildet durch auf Konsolen vorgekragtes Mauerwerk.
  • Mauerabsatz = innerer Rücksprung der Kirchofmauer am Fuße der Brustwehr, den Verlauf des einstigen Wehrgangs anzeigend, oder, tiefer gelegen, als Auflage der Gangstützen des Wehrganges.
  • Mauertürme = über die Flucht der Kirchhofmauer oder an ihren Ecken vorspringende, der Seitenbestreichung dienende Türme.
  • Maulscharten = Schießscharten mit quereckiger Ausmündung.
  • Netzrippengewölbe = der Gewölbeteil ist in mehrere Abschnitte geteilt, die in den Schnittpunkten von Rippen getragen werden.
  • Öffnungsrecht = vertragliches Recht des Landesherrn für die Besetzung eines Kirchhofs in Kriegszeiten.
  • Palas = Hauptwohngebäude einer Burg.
  • Palisaden, Zäune = als Außenbefestigung vor dem Kirchhof gesetzte Wand aus oben zugespitzten, nebeneinander eingegrabenen, auch durch Flechtwerk miteinander verbundenen Pfählen, Flechtzaun.
  • Pilaster = flache Wandpfeiler, säulenartig mit Basis und Kapitell geschmückt.
  • Podest = vor hochgelegenen Eingängen auf Konsolen oder Tragbalken angebrachte kleine Plattform zum Anlegen einer Leiter oder Treppe.
  • Portal = Eingang, meist an einer Kirche so benannt.
  • Prellholz = Auflagenholz.
  • Profilierung = Einfassung des Steingewändes von Türmen und Fenstern durch Hohlkehlen und Wülste.
  • Rigelbalken = in seitliche Mauerlöcher einzuschibender Balken zur Sperre des Tores.
  • Rippengewölbe = Gewölbeart, bei der die Gewölbemauerung von steinernen Rippen getragen wird, die den Gewölbedruck auf einzelne Punkte ableiten und die im Schlussstein zusammenlaufen.
  • Romanik = Periode der Baukunst etwa von 1100 bis 1300.
  • Schalen = nach innen offene, halb- oder dreiviertelrunde Mauertürme.
  • Schallfenster = Öffnungen der Glockenstube eines Kirchturms, mehrteilige auch Klangarkaden.
  • Scharwachtürmchen = als Beobachtungsplatz für die Wache dienende, über die Dachecken von Kirchtürmen vorgekragte Türmchen.
  • Schießfenster = weite Schießscharte, ähnlich den Zinnenlücken, jedoch nach oben durch Mauerwerk geschlossen.
  • Schlüsselscharten = die für den Gebrauch von Feuerwaffen gebräuchlichste Schartenform, bestehend aus dem senkrechten Visierschlitz und unterer kreisförmiger Ausschussöffnung.
  • Schlussstein= oft ornamental verzierter Stein am Gewölbescheitel, wo die Rippen zusammenlaufen.
  • Stabwerk = Überkreuzung von Gewändeprofilierungen.
  • Tabor = Erdschanze, holzernes Bollwerk, in Österreich, Südslawien und dem Balkan üblicher Ausdruck für Wehrkirchhof.
  • Strebepfeiler = bei gotischen Kirchen an der Außenseite angefügte Pfleiler, die den Druck der Gewölberippen auffangen.
  • Sternrippengewölbe = ähnlich dem Netzrippengewölbe, die Rippen jedoch von einem Scheitelpunkt ausgehend.
  • Tonnengewölbe = Gewölbe, das sich im Halbkreis oder Spitzbogen von Mauer zu Mauer schwingt.
  • Triumphbogen, Scheidebogen = der das Langhaus vom Chor trennende Mauerbogen.
  • Vierung = Raum in der Kirche, wo sich das Haupt- oder Langschiff mit dem Querschiff schneidet und über dem oft ein Vierungsturm aufgebaut ist.
  • Vierungsturm = über der Vierung aufgesetzter Turm.
  • Vorkragung = auf Konsolen oder Balken vorgeschobenes Mauerwerk von Erkern oder Maschikulis.
  • Wasserspeier = rinnen- oder röhrenförmige Steine zur Ableitung des Regenwassers an Kirchenschiffen, Kirchtürmen und Kirchhofmauern.
  • Wehrgang = hölzerner überdachter Laufgang an der Innenseite der Kirchhofmauer längs der mit Scharten oder Zinnen versehenen Brustwehr.
  • Wendeltreppe = kreisförmig um eine Spindel aufsteigende Treppe.
  • Westempore = auf Gewölben ruhende Galerie im westlichen Kirchenjoch (Orgelchor).
  • Tympanon = oft mit Skulpturen geschmücktes Bogenfeld im Rund- oder Spitzbogen eines Portals.
  • Zechen = die in Niederösterreich übliche Bezeichnung für Innungen oder Zünfte, wegen ihrer religiösen und sozialen Aufgaben auch Bruderschaft genannt.
  • Zeug = Geschütz.
  • Zwinger = Raumstreifen zwischen äußerer und innerer Kirchhofmauer.