Baustil

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Romanik (Baustil)

Gotik (Baustil)

siehe auch Kirchentypen

Die Wallfahrt nahm einen wesentlichen Einfluss auf den Baustil der Kirchen. Hierbei gibt es zwei zunächst getrennte Wege zu nennen, die sich zu einem Kirchentyp der Pilgerkirche zusammengefunden haben: Oratorien an Märtyrergräber und Kirchen, Basiliken. Oratiorien an Märtyrergräber entstanden bereits im 2.Jh. An ihnen traf sich die Gemeinde vor allem am Jahrestag, um dem Märtyrer zu gedenken. Daher ist bei vielen Märtyrern nur der Todestag bekannt, aber nicht das Todesjahr. Auf der anderen Seite entwickelten sich aus den röm. Basiliken die Kirchen weiter. Liturgisch und räumlich waren Chor (für die Kleriker) und Langhaus (für die Laien) streng voneinander getrennt. Im Chor befanden sich jedoch die Reliquien, die den Gläubigen zugänglich gemacht werden sollten. Um die Liturgie der Kleriker nicht zu sehr zu stören, wurde der Chorumgang erfunden. Dieser ermöglichte eine intensivere Verehrung der Reliquien durch das Volk, während der Klerus noch immer sein Territorium des Chors besaß, in dem sie ungestört Gottesdienst feiern konnten: St-Philbert (Tournus, Burgund, um 950 geweiht), machte hierfür den Anfang. Selbst das Reformkloster Cluny war mit seiner 981 Kirche Cluny II noch nicht so weit. ND-du-Port (Clermont-Ferrand, um 1100) übernahm diese Idee. Cluny III (1088-1135) übernahm es ebenfalls. Damit bildete sich ab dem 12.Jh. diese Chorumgang zu einem eigenen Stil der Auvergne heraus und ist in ganz Frankreich an zahl­reichen anderen Wallfahrtskirchen mit bedeutenden Reliquien zu finden. Der Chorumgang ermöglichte des weiteren, die Gläubigen zu einer Prozessionsgemeinde zu versammeln. Das pilgernde Gottesvolk wurde in dem neuen Typus der Pilgerkirche liturgisch konkret erfahrbar. Im einen Seitenschiff zogen die Gläubigen in Prozession nach vorne, durchschritten voller Andacht und Verehrung der Reliquien den Chorumgang, um dann durch das andere Seitenschiff wieder nach hinten in das Kirchenschiff zu gehen. Nachdem sich dieser Typus der Pilgerkirche weit verbreitet war, die Anzahl der Reliquien in den Kirchen ab dem 14.Jh. sprunghaft in die Höhe schnellte, benötigte es eine weitere Änderung, um dieser Inflation der Reliquien wirksam entgegentreten zu können. Im 15./16.Jh. kamen in den Pilgerkirchen in jedes Joch des Langhauses eine Seitenkapelle. Damit war es möglich, weitere Reliquien unterzubringen, die dem Volk sichtbar zugänglich waren. Eine Sonderform hiervon waren die Altaraufsätze, die mehr einem Apothekerschrank glichen, als einem Retabel. Jede seiner zahlreichen Schubladen barg eine Reliquie. Damit war es möglich, bis zu 100 Reliquien in einen Altaraufsatz unterzubringen.